Werter Bergfreund!
„Du hast einen schönen Beruf - du schenkst Menschen Freude!“
...das sprach Herbert, einer meiner Stammgäste vor kurzem auf der Nockspitze, einem gerade noch Dreitausender im Langtauferer Tal. Aber auch selbst empfindet man Freude, wenn man in die strahlende Augen der Bergsteiger auf dem Gipfel sieht. Selbst wenn es „nur“ die Nockspitze an einem typischen Herbsttag ist: Wolkenloser tiefblauer Himmel, Fernsicht von der Bernina über Ortler und Weißkugel bis zur Wildspitze, Gipfelschläfchen im T-Shirt, überhaupt keine Eile, Zeit, Zufriedenheit, Freude!
Gerade deshalb, weil man als Bergführer sehr genau auch die andere Seite kennt: Gewittergefahr oder Lawinengefahr im Nacken, Konditionsmangel, Spalten, Steinschlag……. In über 23 Jahren hauptberuflicher Tätigkeit als Bergführer und 20 Jahre Alpinschule können negative Erfahrungen nicht ausbleiben. Selbst wenn in diesen 20 Jahren kein einziger verschuldeter Unfall in der Alpinschule vorgekommen ist, so haben wir doch einiges erlebt, auch in unserer Tätigkeit als Bergretter und Lawinenkommissionsmitglieder.
Überwiegt hat aber bei weitem die Freude und ich freue mich auf die nächste Tour, vielleicht schon die erste Schitour, denn in diesem Moment wo ich diese Zeilen schreibe lacht blendet weiß vom ersten Herbstschnee die Samnaungruppe in mein Büro- eigentlich nicht zum aushalten – soll ich schon die Felle auf die Schier kleben?